Lächeln


Es war einmal ein kleiner Junge, der unbedingt Gott treffen wollte. Er war sich darüber bewusst, dass der Weg zu dem Ort, an dem Gott lebte, ein sehr langer war.

Also packte er sich einen Rucksack voll mit einigen Coladosen und mehreren Schokoladenriegeln und machte sich auf die Reise.

Er lief eine ganze Weile und kam in einen kleinen Park. Dort sah er eine alte Frau, die auf einer Bank saß und den Tauben zuschaute, die vor ihr nach Futter auf dem Boden suchten.

Der kleine Junge setzte sich zu der Frau auf die Bank und öffnete seinen Rucksack. Er wollte sich gerade eine Cola herausholen, als er den hungrigen Blick der alten Frau sah. Also griff er zu einem Schokoriegel und reichte ihn der Frau.

Dankbar nahm sie die Süßigkeit und lächelte ihn an. Und es war ein wundervolles Lächeln! Der kleine Junge wollte dieses Lächeln noch einmal sehen und bot ihr auch eine Cola an. Und sie nahm die Cola und lächelte wieder – noch strahlender als zuvor.

Der kleine Junge war selig. Die beiden saßen den ganzen Nachmittag lang auf der Bank im Park, aßen Schokoriegel und tranken Cola – aber sprachen kein Wort.

Als es dunkel wurde, spürte der Junge, wie müde er war und er beschloss, zurück nach Hause zu gehen. Nach einigen Schritten hielt er inne und drehte sich um. Er ging zurück zu der Frau und umarmte sie. Die alte Frau schenkte ihm dafür ihr allerschönstes Lächeln.

Zu Hause sah seine Mutter die Freude auf seinem Gesicht und fragte: „Was hast du denn heute Schönes gemacht, dass du so fröhlich aussiehst?“ Und der kleine Junge antwortete: „Ich habe mit Gott zu Mittag gegessen – und sie hat ein wundervolles Lächeln!“

Auch die alte Frau war nach Hause gegangen, wo ihr Sohn schon auf sie wartete. Auch er fragte sie, warum sie so fröhlich aussah. Und sie antwortete: „Ich habe mit Gott zu Mittag gegessen – und er ist viel jünger, als ich gedacht habe.“


© ernstl@flickr – http://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/

Ähnliche Beiträge

  • Die Angst annehmen

    „Es bleibt wohl eine unserer Illusionen, zu glauben, ein Leben ohne Angst leben zu können; sie gehört zu unserer Existenz und ist eine Spiegelung unserer Abhängigkeiten und des Wissens um unsere Sterblichkeit. Wir können nur versuchen, Gegenkräfte gegen sie zu entwickeln: Mut, Vertrauen, Erkenntnis, Macht, Hoffnung, Demut, Glaube und Liebe… …Das Annehmen und Meistern der…

  • Meditation

    „Ihr solltet Meditation üben beim Gehen, Stehen, Liegen, Sitzen und Arbeiten, beim Händewaschen, Abspülen, Kehren und Teetrinken, im Gespräch mit Freunden und bei allem, was ihr tut. Wenn ihr abwascht, denkt ihr vielleicht an den Tee danach und versucht, es so schnell wie möglich hinter euch zu bringen, damit ihr euch setzen und Tee trinken…

  • Stille Zeit

    Weihnachten ist die stille Zeit, auch wenn die Zeit davor oft alles andere als still ist. Die Abende sind lang, die Tage kurz, das Jahr kommt zur Ruhe und neigt sich seinem Ende zu. Für das nun vergehende Jahr ist bald alles getan. Langsam und ganz in der Stille bereitet sich eine Veränderung vor: das…

  • Der Krieg ist vorbei.

    Frohes Neues Jahr 2014! Hast Du Dir auch einiges vorgenommen für das kommende Jahr? Ein paar gute Vorsätze gefasst? Etwas, was Du besser machen willst, oder vielleicht was Du besser lassen möchtest? Dann kennst Du sicher auch das Gefühl dabei, dass irgend etwas an Dir immer noch „verbessert“ oder „verändert“ werden muss. Da ist immer…

  • Beobachter

    Je mehr du beobachtest, desto mehr wird sich deine ganze Hektik legen. Du wirst anmutiger. Wenn du beobachtest, wird dein lauter Verstand immer weniger schnattern, weil die Energie, die bisher ins Schnattern ging, sich verwandelt und zu Wachsamkeit wird – es ist dieselbe Energie! (Osho) Bild: © h.koppdelaney@flickr.com – http://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert